Roland Schimmel
Professor und Didaktiker. Roland Schimmel ist Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) mit den Schwerpunkten Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht. Er hat mehrere sehr erfolgreiche Werke zur Vermittlung von juristischem Handwerkszeug verfasst und positioniert sich prominent für die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten bzw. gegen Plagiate.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Gute juristische Ausbildung zielt darauf, gute Juristen hervorzubringen. Das bedeutet einerseits, dass an ihrem Ende – vorbehaltlich der dringend erforderlichen Bereitschaft zum Weiterlernen – Absolventen stehen, deren Kenntnisse im geltenden Recht und in der juristischen Methodik eine Tätigkeit in möglichst vielen juristischen Arbeitsgebieten ermöglichen. Andererseits sollte insbesondere der universitäre Teil der Ausbildung den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit nicht aufgeben.
Der universitäre Teil der Ausbildung muss inhaltlich und methodisch über die erbärmliche Fixierung auf das Examensrelevante weit hinausgehen.
Roland Schimmel
Er muss inhaltlich und methodisch über die erbärmliche Fixierung auf das Examensrelevante weit hinausgehen. Das bedeutet weniger, die jüngste oder nächste angeblich disruptive Technologie im Lehrplan zu verankern, als vielmehr, den Blick der Studenten für die Zusammenhänge zu schärfen – und die Grundlagenfächer ernstzunehmen.
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Weil sie mir – wie Generationen vor mir und nach mir – verbesserunsgbedürftig vorkommt. Weil ich es irritierend finde, mit welcher Selbstgewissheit die deutsche Juristenausbildung von denen, die sie erfolgreich durchgestanden haben, als die beste der Welt etikettiert wird, weitgehend frei von Empirie – und fast ganz frei von konsensfähigen Maßstäben dafür, was überhaupt eine gute juristische Ausbildung sei. Weil sie im Kleinen leicht zu verbessern wäre, guten Willen vorausgesetzt.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Darüber, dass das Bestehen des verf***ten Examens nur ein Grund unter mehreren ist, warum man studiert. Vermutlich nicht einmal der wichtigste. Bei allem Respekt vor der Einsicht, dass das Examen bestanden sein will.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Mehr unterschiedliche Prüfungsformen (wo wird mündlich geprüft? wann werden Teamleistungen wertgeschätzt?), entzerrte Prüfungen, Abschichtungsmöglichkeiten. Auch eine strenge Prüfung kann menschlich durchgeführt werden.


