Gudrun Schäpers
Gudrun Schäpers ist seit 2021 Präsidentin des OLG Hamm. Bereits in ihren früheren Tätigkeiten, u.a. als Richterin und Präsidentin des LJPA NRW, engagierte sie sich für die Verbesserung der Attraktivität der Justiz für den Nachwuchs und die Stärkung rechtsstaatlicher Werte. Gudrun Schäpers ist als Mitherausgeberin der JA zuständig für das Thema Referendarausbildung.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Als Präsidentin des Oberlandesgerichts Hamm erlebe ich täglich, wie wichtig eine fundierte juristische Ausbildung für jegliche juristische Tätigkeit, insbesondere für die Qualität unserer Rechtsprechung ist. Es geht um die Ausbildung von Menschen, die später in verantwortungsvollen Fragen Rechtsrat erteilen und über das Wohl anderer entscheiden. Daher ist es für mich auch eine Frage der ethischen und sozialen Verantwortung, mich für eine bestmögliche juristische Ausbildung einzusetzen. Außerdem haben mich eigene Erfahrungen geprägt. Ich habe mich als Richterin schon früh und gern mit Fragen der Juristenausbildung befasst, weil ich in meiner eigenen Ausbildung selbst erfahren habe, wie wertvoll ich entsprechende Unterstützung empfunden habe. Auch in meiner Funktion als Präsidentin des Landesjustizprüfungsamtes in NRW habe ich mitbekommen, was potenziell Stress bereitet und wie man versuchen kann, diesem zu begegnen.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Über das Verständnis für den Rechtsstaat und dessen Verwundbarkeit. Es ist wichtig zu erkennen, dass unser Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ständig geschützt und verteidigt werden muss. Studierende sollten frühzeitig ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie der Rechtsstaat auf die Probe gestellt werden kann – sei es durch politische Einflüsse, gesellschaftliche Spannungen oder technologische Veränderungen.
es geht darum zu reflektieren, wie technologische Entwicklungen gestaltet werden können, ohne den Wert individueller menschlicher Entscheidungen aus dem Blick zu verlieren.
Gudrun Schäpers
Dazu gehört heute auch, die Auswirkungen von KI und Digitalisierung auf das Recht mitzudenken. Und es geht darum zu reflektieren, wie technologische Entwicklungen gestaltet werden können, ohne den Wert individueller menschlicher Entscheidungen aus dem Blick zu verlieren. Diese Fragen sollten integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung sein.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Der Übergang von der Theorie zur Praxis könnte fließender gestaltet werden. Mehr praxisnahe Formate wie Praktika, Moot Courts, Law Clinics oder Fallstudien würden helfen, das Gelernte früher anzuwenden. Gleichzeitig wäre mehr Unterstützung im Umgang mit der großen Stofffülle und eine stärkere Förderung der Zusammenarbeit unter den Studierenden wünschenswert – verbunden mit einer ermutigenden Studienkultur im Sinne von „Vertraut auf Euch und Eure Fähigkeiten“.


