Anne Sanders
Prof. Anne Sanders ist Inhaberin des Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Unternehmensrecht, das Recht der Familienunternehmen und Justizforschung. Sie beteiligt sich regelmäßig an der Debatte zu Reformen der juristischen Ausbildung und plädiert für ein anderes Lehrverständnis. Zugleich unterstützt sie die Studierenden durch praktische Impulse für ein reflektiertes Lernen mit Freude hin zu echtem Verständnis und Problembewusstsein.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Eine Ausbildung, die zum kritischen Nach- und Weiterdenken inspiriert und dabei zeitlose Kompetenzen vermittelt, die auch in einer sich stetig ändernden Welt wertvoll sind. Kritisches Nach- und Weiterdenken schließt für mich gesellschaftliche Transformationsprozesse ebenso ein wie das Verständnis für den Rechtsstaat. Und ja, Spaß machen soll sie auch. Denn aus der Freude am Fach entsteht mehr Verständnis als aus Angst und Druck.
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Weil Lehre für unsere Studierenden das Wichtigste und Schönste ist, was Professor*innen tun können.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Über das Referendariat und das zweite Staatsexamen. Eigentlich ist es eine ganz tolle Chance, verschiedene juristische Berufe kennenlernen zu können. Daran arbeiten auch viele engagierte Menschen auf allen Ebenen. Aber ich habe darüber von verschiedener Seite in letzter Zeit so viel Ungutes gehört, dass mir eine vertiefte Bestandsaufnahme und Diskussion erforderlich erscheint. Das heißt nicht, dass vorher alles super läuft, aber ich habe den Eindruck, dass wir über den zweiten Teil der juristischen Ausbildung viel zu wenig reden.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
KI prägt die juristische Arbeit bereits jetzt und noch mehr in der Zukunft. Darum müssen wir die Kompetenzen vermitteln, gut mit KI zu arbeiten, insbesondere die Ergebnisse von KI sinnvoll zu überprüfen und weiter zu entwickeln. Wir müssen dazu nicht alles über Bord werfen, aber überlegen, wie wir echtes Verständnis für Zusammenhänge und juristisches Handwerkszeug vermitteln statt Detailwissen, das schon jetzt einfache Datenbanken besser können als Menschen.


