Stefanie Otte
Stefanie Otte initiierte die Abteilung „Juristische Ausbildung“ auf dem Deutschen Juristentag im September 2026 und sie wird diese auch leiten. Seit 2018 ist Stefanie Otte die Präsidentin des OLG Celle und seit 2021 Mitglied am Niedersächsichen Staatsgerichtshof. Sie war zunächst Rechtspflegerin, wurde dann Richterin und nach weiteren Aufgaben Staatssekretärin im Niedersächsischen Justizministerium. Neben ihrer praktischen Tätigkeit publiziert Stefanie Otte und ist als Mitherausgeberin der JuS tätig.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Gute juristische Ausbildung ist modern, fair und flexibel.
Moderne Lernformen, wie Online-Vorlesungen, digitale Lernplattformen und E-Learning-Tools sollten für Studierende und Referendarinnen und Referendare selbstverständlich zur Verfügung stehen und zum Standard gehören. Gleichzeitig sollten wir uns inhaltlich wieder mehr auf die Vermittlung von Grundlagen und Methoden fokussieren. Die Integrierung von Technologie und digitalen Kompetenzen bedingt dabei auch die Entschlackung des spezifischen Fachwissens für die angehenden Volljuristinnen und Volljuristen, damit Studium und Referendariat bewältigungsfähig bleiben. Die Lerninhalte müssen unsere Nachwuchskräfte auf die vielfältige juristische Arbeit in der zunehmend digitalen Praxis vorbereiten. Ziel ist es, einen fairen Ausgangspunkt für das Berufsleben zu bieten. Zur Erhöhung der Attraktivität der juristischen Ausbildung trägt auch die Flexibilität der Ausbildung bei: inhaltlich, örtlich, zeitlich.
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Ich kann mir keinen schöneren Beruf als den der Juristin vorstellen und wünsche mir, dass viele junge Menschen bereits in der juristischen Ausbildung eine Vorstellung davon bekommen, welche Faszination von juristischen Berufen ausgehen kann.
Aber auch eine grundsätzlichere Reflexion über die juristische Ausbildung ist erforderlich: Was sind die Maßstäbe für gute juristische Ausbildung?
Stefanie Otte
Und wie wird sie fair gestaltet?
Die seit Langem diskutierten Aspekte der Stoffmenge, Studienorganisation und steigenden Anforderungen des Staatsexamens trüben das Bild eines lohnenden und zukunftsorientierten Ausbildungsziels. Auch die Qualität des Referendariats ist nicht einheitlich, schon zwischen Einzelausbildung und Arbeitsgemeinschaften kann es qualitative Unterschiede geben. Aber auch eine grundsätzlichere Reflexion über die juristische Ausbildung ist erforderlich: Was sind die Maßstäbe für gute juristische Ausbildung? Und wie wird sie fair gestaltet?
Der Rechtsstaat ist auf gut ausgebildete Juristinnen und Juristen angewiesen. Um unseren verantwortungsvollen Aufgaben in der Gesellschaft, der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Anwaltschaft und in den Gerichten gerecht werden zu können, brauchen wir entsprechende Nachwuchskräfte. Deswegen engagiere ich mich auch als Vorsitzende der Arbeitsgruppe „juristische Ausbildung“ auf dem Deutschen Juristentag e.V., damit der Diskurs weiter vorangetrieben wird.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Eine gute juristische Ausbildung ist eine direkte Investition in die Resilienz unseres Rechtsstaates. Eine moderne Justiz bemisst sich beispielsweise daran, ob wir den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürgern gerecht werden und ein zeitgemäßes Serviceangebot vermitteln können, weil dies Akzeptanz unserer Arbeit schafft und den Rückhalt der Gerichte in der Bevölkerung stärkt. Zur modernen Justiz gehört deswegen auch der digitale Zugang zur Justiz und die effektive und ressourcenschonende Arbeit zur Erzielung schneller und dennoch qualitativ hochwertiger Entscheidungen. Dies erfordert nicht nur fachspezifisches Wissen, sondern darüberhinausgehende soziale wie auch digitale Kompetenzen. Nur auch in diesen Themenfeldern ausgebildete Juristinnen und Juristen werden unserer verantwortungsvollen Aufgabe gerecht werden können.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Wenn ich mich nur auf eine Sache beschränken soll, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss, dann würde ich den Fokus auf die aktuellen Herausforderungen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz lenken.
Um den Rechtsstaat in einer digitalen Welt zu erhalten, ist es unerlässlich, technisch gut ausgestattet und ausgebildet zu sein. Die Anforderungen an Juristinnen und Juristen ändern sich durch zunehmendes digitales Arbeiten, durch den Einsatz von KI-Systemen und durch immer komplexere Sachverhalte. Es ist Teil einer fairen Ausbildung, unsere Nachwuchskräfte speziell auch darauf vorzubereiten. Das ist kein Luxus, sondern dringend notwendig, um das Vertrauen in den Rechtsstaat aufrecht zu erhalten und zu fördern. Es ist unsere Aufgabe, verlässlicher Grundpfeiler im demokratischen Gefüge zu sein.


