Mustafa Oglakcioglu
Prof. Mustafa Temmuz Oğlakcıoğlu ist Inhaber der Professur für Strafrecht, Strafprozessrecht, Medizinstrafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität des Saarlandes. Er engagiert sich seit langer Zeit für qualitative Verbesserungen der juristischen Ausbildung – etwa durch seine stark examens- und fallorientierte Lehre im Strafrecht, seine zahlreichen didaktischen Beiträge oder seinen zugänglichen Jura-Podcast „Räuberischer Espresso“.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Offenheit für neue Lehrkonzepte, Vermittlung der Lehrinhalte auf Augenhöhe und eine möglichst frühe Konfrontation der Studierenden mit der „Realität des Rechts“. Recht ist Kommunikation: Wer das Recht lehrt, muss also aufrichtig, den Studierenden gegenüber unvoreingenommen und kompromissbereit sein.
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Die juristische Ausbildung ist – auch wenn das selten so deutlich zum Ausdruck gebracht wird – Teil des Rechts selbst. Ihre Ausgestaltung prägt daher auch die Zukunft unseres Rechtsstaats.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Über hervorragende Stationszeugnisse und Referendare, die sich gerne in der Justiz engagieren würden, aber infolge durchschnittlicher oder mäßiger Noten im zweiten Staatsexamen nicht berücksichtigt werden.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Der kommunikative Charakter des Rechts muss sowohl in der Ausbildung als auch in der Praxis wieder deutlicher in den Mittelpunkt gerückt werden. Gerade in Zeiten einer zunehmenden Tendenz der – grds. zu begrüßenden – Zuhilfenahme der Künstlichen Intelligenz (und damit einhergehend: eines womöglich mehr und mehr selbstreferenziellen Rechts) ist eine Aufwertung der Mündlichkeit dringend geboten, sowohl im Bereich der Lehrformate (mehr Seminare, mehr Diskussionspanels und Rhetorikwettbewerbe) als auch im Bereich der mündlichen Prüfungen (umfangreichere Prüfung, höhere Gewichtung).


