Zora Machura
Zora Machura ist seit 2022 Jurastudentin an der Humboldt-Universität zu Berlin und studiert im Rahmen des internationalen Programms der Humboldt European Law School. Nachdem sie 2026 ihre staatliche Pflichtfachprüfung absolviert hat, begann sie ihr Masterstudium an der Panthéon-Assas in Paris, Frankreich. Neben dem Studium setzt sie sich sehr aktiv für eine Reform der juristischen Ausbildung ein: als Studierendenvertreterin in hochschulpolitischen Gremien wie dem Fakultäts- und Fachschaftsrat ihrer Universität, als Vorständin für inhaltliche Koordination im Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. und als Referentin beim kommenden 75. Deutschen Juristentag in Erfurt.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Eine gute juristische Ausbildung macht aus, dass sie durch ihre Strukturierung ihren Aufgaben gerecht wird. Für mich bedeutet das, dass sie angehende Juristinnen und Juristen dazu befähigt, ihrer Verantwortung für die Aufrechterhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der Einhaltung von Grund- und Menschenrechten gerecht zu werden. Dafür muss die juristische Ausbildung statt reinem Auswendiglernen von Wissen neben rechtlichen Kernkompetenzen auch KI-Kompetenzen sowie soziale, kommunikative und kritisch-reflexive Fähigkeiten vermitteln und internationale und interdisziplinäre Perspektiven beinhalten.
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Juristen und Juristinnen haben eine besondere Rolle in unserem Rechtssystem, weil sie Menschen ermöglichen ihre Rechte vom Papier auch tatsächlich durchsetzen zu können. Die drohende Personallücke als Folge des demographischen Wandels und der Unattraktivität des Jurastudiums ist ein ernstzunehmendes Problem für den Rechtsstaat. Gleichzeitig stehen wir auch vor einer einzigartigen Chance, den Verfassungsstaat von morgen resilient zu machen. Heute werden all die Juristen und Juristinnen ausgebildet, welche diesen über die nächsten Jahrzehnte in Schlüsselpositionen prägen werden: sei es in der Justiz, staatlichen Institutionen, der Wissenschaft oder als Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen. Die juristische Ausbildung spielt dabei eine zentrale Rolle, deren Potential bisher leider nicht ausreichend genutzt wird.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Der Reformprozess der juristischen Ausbildung befindet sich in dem Spanungsfeld. Einerseits muss in einem strukturierten Prozess unter Heranziehung von interdisziplinärer Expertise eine empirische Datengrundlagen und ein fachdidaktischer Bezugsrahmen gebildet werden und das erfordert Zeit. Auf der anderen Seite gibt es durch die Pensionierungswelle und die geringen Absolvierendenzahlen einen zeitlichen Druck, die Attraktivität des Studiums auch kurzfristig zu steigern. Eine Möglichkeit dafür sind Experimentierklauseln in das Deutsche Richtergesetz und in die Landesausbildungsgesetze und -ordnungen aufzunehmen. Dies ermöglicht die Implementierung von bestehenden Ideen in einen Reform- und Innovationsprozess, der währenddessen auch dauerhaft evaluiert und angepasst werden kann.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Neben der dringend notwendigen – aber leider noch unzureichenden – Kompetenzvermittlung im juristischen Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt und dem Erkennen von diskriminierenden Strukturen, fördert bereits die Diversität unter Juristen und Juristinnen eine breitere Kompetenz und Fairness in der Rechtspraxis. Die juristische Ausbildung sollte also fortlaufend dahingehend evaluiert werden, ob Vielfalt gefördert und Diskriminierung verhindert wird. Sowohl im Studium als auch im juristischen Vorbereitungsdienst sind Gleichstellungsthemen verbindlich zu verankern: Teilzeitoption, Unterhaltsbeihilfe, unabhängige Beschwerdestellen, divers besetzte Prüfungskommissionen und eine antidiskriminierende Lehre. Besonders hervorzuheben ist in diesem Kontext auch die völkerrechtliche Verpflichtung zur Bereitstellung von Fortbildungsangeboten aus Art. 15 der Istanbul-Konvention.


