Susanne Hähnchen
Professorin und Didaktikerin. Susanne Hähnchen hat den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte an der Universität Potsdam inne. Zu ihren weiteren Forschungsinteressen zählen unter anderem die Methodenlehre und die Rechtsdidaktik. Sie wurde 2018 mit dem ars-legendi-Lehrpreis ausgezeichnet, hat bereits mehrere Law Clinics gegründet und ist aktives Mitglied der Gesellschaft für Didaktik der Rechtswissenschaft.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Die Mischung macht’s: Ein solides, aber nicht überfrachtetes theoretisches Fundament aus Grundlagen und Dogmatik, kombiniert mit zeitgemäßer Praxis, mehr Kreativität und Spaß der Studierenden als heute üblich. Näher dazu und leider unverändert aktuell: Hähnchen, Was ist gute Lehre? In: NJW-aktuell 4/2019, S. 19
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Lehren zu dürfen war neben der Liebe zur Wissenschaft meine Motivation, Professorin zu werden. Irgendwann habe ich verstanden, dass mein eigenes Engagement unter besseren Rahmenbedingungen sinnvoller wäre. Es ist zwar schön, meine Zeit in Veranstaltungen und Projekte zu stecken. Aber ich möchte noch mehr für die Studierenden erreichen, das von Dauer ist
„Made in Germany“ hat einen guten Ruf bekommen,
Susanne Hähnchen
weil Gutes immer weiter verbessert wurde.
„Made in Germany“ hat einen guten Ruf bekommen, weil Gutes immer weiter verbessert wurde. Nicht nur ich sehe Optimierungspotential in unserer juristischen Ausbildung. Es kommt darauf an, dass wir uns – bei allen Differenzen im Detail – gemeinsam engagieren, um etwas zu verbessern.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Im Gegensatz zu anderen Disziplinen spielen die den Studierenden zu vermittelnden Kompetenzen sowie Qualitätskriterien für Lehre und Prüfungen bei uns kaum eine relevante Rolle. Darüber sollte nicht nur unter Rechtsdidaktikern gesprochen werden.
Auch zu anderen Aspekten gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die viel zu wenig bekannt sind.
Gleichzeitig wird viel geredet und wenig zugehört. Viele Menschen glauben, dass ihre Erfahrungen und (teils verklärten) Erinnerungen als Argumente gegen Veränderungen ausreichen würden („Hat uns auch nicht geschadet.“). Die Realität in den Universitäten und im Referendariat ist aber heute eine andere. Und nicht jede Veränderung führt zu einem Qualitätsverlust, wie man es leider immer wieder sehr schnell hört.
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Zu viele Studierende und ReferendarInnen haben Angst und Stress in der Examenszeit, welche sich über Monate bis Jahre zieht. Nichts gegen ein bisschen Adrenalin, aber ein gesundes Maß ist – wissenschaftlich nachgewiesen – überschritten. Das hat verschiedene Ursachen, die von der älteren Generation, die sich über den Nachwuchsmangel wundert, ernst genommen werden müssen. Stress-Resilienz darf nicht das Hauptkriterium für den Examenserfolg sein.


