Martin Fries
Prof. Dr. Martin Fries ist Inhaber der Professur für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht, Anwaltsrecht und Legal Technology BSP Business & Law School. Mit seinen innovativen Lehrvideos, einem eigenen Jura-Podcast und Lehrveranstaltungen zu Legal Tech und dem Recht der Digitalisierung ist Martin Fries einer der Vorreiter, wenn es darum geht, aktuelle technologische Entwicklungen systematisch, zugänglich und praxisnah in die juristische Ausbildung einzubeziehen.
Was macht für Sie gute juristische Ausbildung aus?
Eine gute juristische Ausbildung lehrt vor allem die juristische Methodik, die man im Beruf später jeden Tag braucht. Außerdem vermittelt eine gute juristische Ausbildung Freude am juristischen Denken und Argumentieren. Im besten Fall gehen die Studierenden dann gerne in die Vorlesung und denken auch ohne Coldcalling selbständig mit. Offen gestanden ahne ich, dass mir das bei meinen eigenen Lehrveranstaltungen nur eingeschränkt gelingt. Aber mein Bemühen bleibt, und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Warum engagieren Sie sich für die Verbesserung der juristischen Ausbildung?
Ich denke, dass in der juristischen Ausbildung zwar nicht alles schlecht ist, dass wir aber doch vieles besser machen können.
Worüber wird im Kontext der juristischen Ausbildung zu wenig geredet?
Wir sprechen zu wenig über den Transfer aus dem Hörsaal in den individuellen Handwerkskoffer der Studierenden. Also: Wie kann ich Vorlesungsinhalte so aufbereiten, dass die Studierenden sie sich auch gut merken können? Wie bringe ich Studierende dazu, nicht nur Lehrbücher zu lesen, sondern jeden Tag auch Fälle zu lösen? Wie kann ich die Gründung privater Lerngruppen erleichtern, wo die Studierenden den Stoff reflektieren und sich gegenseitig motivieren können?
Können Sie uns eine Sache nennen, die sich in der juristischen Ausbildung ändern muss?
Gerne! Aus meiner Sicht brauchen wir mehr Ownership bei allen Beteiligten. Ownership bedeutet, die Verantwortung für Probleme nicht ausschließlich bei anderen abzuladen, sondern sich selbst im eigenen Wirkungskreis auch gründlich Mühe zu geben. Ich lese im Moment viele Forderungskataloge, was der Gesetzgeber bei der Juristenausbildung bitte alles ändern soll. Vieles davon finde ich richtig, und ich meine auch, dass wir den Justizministern sehr klar machen dürfen, dass es erheblichen Modernisierungsbedarf gibt und dass sie in der Pflicht sind, hier etwas zu tun.
Vor allem aber gibt es sicher 100 weitere Ideen, was jede und jeder von uns heute schon tun kann, damit das Jurastudium (nocH) mehr Freude macht.
Martin Fries
Zugleich sollte das kein Persilschein für uns Lehrende und Studierende selbst sein. Selbst wenn sich die Juristenausbildungsgesetze nicht von einem Tag auf den anderen ändern, können wir nämlich schon heute viel für eine gute Ausbildung tun. Wir Lehrenden können zum Beispiel unsere Vorlesungen nicht nur zur Wissensvermittlung nutzen, sondern ganz bewusst auch als methodische Anleitung ausgestalten. Und von den Studierenden würde ich mir beispielsweise wünschen, dass sie ihr Smartphone verstauen und sich innerlich voll auf die Lehrveranstaltung einlassen. Vor allem aber gibt es sicher 100 weitere Ideen, was jede und jeder von uns heute schon tun kann, damit das Jurastudium (noch) mehr Freude macht. Auf geht’s!


